Kathrein-Geschäftsführer Andreas Wimmer im Interview: „Professionelles Lastmanagement ist unverzichtbar“

Ladeinfrastruktur auf Campingplätzen zukunftssicher planen

Kathrein-Geschäftsführer Andreas Wimmer
Foto: Kathrein

Anfang 2026 haben die Megasat Werke das in Rosenheim ansässige Traditionsunternehmen Kathrein Digital Systems übernommen. Neben den Schwerpunkten Satellitentechnik und Netzwerkkommunikation engagiert sich Kathrein nun auch in der Elektromobilität. CI sprach mit Geschäftsführer Andreas Wimmer über Ziele und Möglichkeiten in diesem Bereich auf Campingplätzen.

Immer mehr Campinggäste reisen mit dem E-Auto an. Doch vielerorts ist die Ladeinfrastruktur noch begrenzt. Im Gespräch erläutert Kathrein-Geschäftsführer Andreas Wimmer, worauf Platzbetreiber bei Planung, Lastmanagement und Abrechnung achten sollten.

CI: Elektromobilität wird auch im Camping- und Caravaning-Bereich immer wichtiger. Wie ist hier der aktuelle Stand – wie gut sind deutsche Campingplätze heute schon auf das Laden von E-Fahrzeugen vorbereitet?

Wimmer: Die Elektromobilität entwickelt sich auch im Camping- und Caravaning-Markt sehr dynamisch. Während moderne Elektrofahrzeuge inzwischen für viele Urlauber selbstverständlich geworden sind, ist die Ladeinfrastruktur auf Campingplätzen noch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Einige Plätze haben bereits erste Lademöglichkeiten geschaffen, vielerorts beschränken sich diese jedoch auf einzelne Ladepunkte oder provisorische Lösungen. Mit der steigenden Zahl an E-Fahrzeugen wächst jedoch der Bedarf an professionellen und sicheren Ladelösungen. Viele Betreiber stehen aktuell vor der Aufgabe, ihre Infrastruktur zukunftsfähig auszubauen und gleichzeitig die vorhandenen Netzkapazitäten optimal zu nutzen. Wir von Kathrein bieten Ihnen mit einem umfangreichen Wallbox-Portfolio deshalb flexible Lösungen.

CI: Warum sollten sich Platzbetreiber gerade jetzt mit dem Thema Ladeinfrastruktur beschäftigen – welche Rolle spielt ein gutes Ladeangebot für die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit eines Platzes?

Wimmer: Ein attraktives Ladeangebot entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Gäste erwarten heute immer häufiger die Möglichkeit, ihr Fahrzeug während des Aufenthalts komfortabel und sicher zu laden. Wer frühzeitig investiert, schafft nicht nur einen zusätzlichen Service, sondern positioniert seinen Campingplatz als modernen und nachhaltigen Urlaubsort. Wir beraten hier gerne, welches Ladekonzept sich langfristig bewährt. Eine durchdachte Ladeinfrastruktur erhöht die Zukunftssicherheit der Anlage, da die Nachfrage nach Elektromobilität in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen wird.

CI: In der Praxis findet man heute oft nur improvisierte Insellösungen. Wo liegen aus Ihrer Sicht die typischen Probleme, wenn Ladeinfrastruktur nicht von Anfang an durchdacht geplant wird?

Wimmer: Häufig werden zunächst einzelne Wallboxen installiert, ohne die gesamte Energieversorgung des Platzes zu betrachten. Das führt oft zu Problemen bei der Netzbelastung, der Skalierbarkeit oder der späteren Abrechnung. Hinzu kommen Sicherheitsaspekte, wenn Fahrzeuge beispielsweise über normale Camping-Steckdosen geladen werden. Eine fehlende Gesamtplanung kann später hohe Nachrüstkosten verursachen. Deshalb empfiehlt sich von Beginn an ein ganzheitlicher Ansatz, wie Kathrein ihn verfolgt: Energieversorgung, Lastmanagement, Abrechnung und zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten werden gleichermaßen berücksichtigt.

Ladeinfrastruktur und Lastmanagement auf Campingplätzen: Zwei Wallboxen an der Wand befestigt
Wallboxen von Kathrein bieten flexible Lademöglichkeiten. Je nach Einsatzbereich stehen Standard- und eichrechtskonforme Varianten zur Auswahl. Foto: Kathrein

CI: Eine zentrale Herausforderung ist die verfügbare Anschlussleistung eines Platzes: Vor allem abends möchten viele Gäste gleichzeitig laden. Wie lässt sich verhindern, dass die Stromversorgung dabei an ihre Grenzen kommt?

Wimmer: Der Schlüssel liegt in einem intelligenten Lastmanagement. Statt jedem Ladepunkt dauerhaft die maximale Leistung zur Verfügung zu stellen, wird die verfügbare Anschlussleistung dynamisch auf alle Verbraucher verteilt. Dabei werden nicht nur die Ladepunkte, sondern auch andere Verbraucher auf dem Campingplatz berücksichtigt. So können mehrere Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden, ohne den Netzanschluss zu überlasten. Gerade auf Campingplätzen mit begrenzter Anschlussleistung ist ein professionelles Lastmanagement heute unverzichtbar.

CI: Anders als beim Laden zu Hause müssen Betreiber den Ladestrom an ihre Gäste abrechnen. Was gilt es dabei zu beachten – und wie aufwendig ist eine korrekte, transparente Abrechnung?

Wimmer: Eine transparente und rechtskonforme Abrechnung ist ein wesentlicher Bestandteil jeder professionellen Ladeinfrastruktur. Betreiber benötigen eichrechtskonforme Ladelösungen, die den Stromverbrauch eindeutig erfassen und den jeweiligen Nutzern zuordnen können. Moderne Systeme übernehmen diese Prozesse weitgehend automatisiert. Bei einer Kathrein Wallbox können Gäste den Ladevorgang bequem per RFID-Karte starten, während die Abrechnung im Hintergrund erfolgt. Dadurch entsteht für Betreiber nur ein geringer administrativer Aufwand bei gleichzeitig hoher Transparenz für die Gäste.

CI: Wie unterstützt Kathrein Platzbetreiber hier konkret? Welche Lösungen und Produkte bieten Sie für eine durchdachte und zukunftsfähige Ladeinfrastruktur?

Wimmer: Wir bieten ein umfassendes Lösungsportfolio für Campingplätze, Stellplätze und Freizeitanlagen. Im Mittelpunkt stehen intelligente AC-Ladelösungen mit integriertem Lastmanagement sowie Möglichkeiten zur nutzerbezogenen Abrechnung. Mit unserer Lösung „easy check-in“ können Betreiber selbst zum Stromverkäufer werden oder die Gästeabrechnung am Ende des Aufenthalts eigenständig durchführen. Eine weitere Option besteht darin, die Abrechnung über qualifizierte Backend-Anbieter als externe Dienstleistung abzuwickeln. Besonders wichtig ist uns die einfache Skalierbarkeit: Die Systeme lassen sich schrittweise erweitern und wachsen mit den Anforderungen des jeweiligen Standorts. So erhalten Betreiber eine wirtschaftliche und langfristig nutzbare Lösung aus einer Hand.

CI: Wie lässt sich eine solche Ladeinfrastruktur nachhaltig und zukunftssicher aufstellen – etwa mit Blick auf Photovoltaik, eine spätere Erweiterung und möglichst geringe Betriebskosten?

Wimmer: Eine zukunftssichere Ladeinfrastruktur sollte von Anfang an als Bestandteil eines ganzheitlichen Energiemanagements betrachtet werden – wir beraten hier von Anfang an zielgerichtet. Die Kombination aus Ladeinfrastruktur, intelligentem Lastmanagement und Photovoltaikanlage bietet großes Potenzial, um Energiekosten zu senken und den Eigenverbrauch von Solarstrom zu erhöhen. Gleichzeitig sollte die technische Plattform so ausgelegt sein, dass zusätzliche Ladepunkte jederzeit integriert werden können, wie bei unseren Wallbox-Konzepten. Wer heute modular plant und auf offene, skalierbare Systeme setzt, schafft die Grundlage für einen wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrieb über viele Jahre hinweg.

CI: Vielen Dank für das Gespräch.