„Wir teilen dieselben Werte“

Im Interview Jan Vyskocil, Gründer der lodgyslife AG und Johan Söör, CEO von First Camp.

Jan Vyskocil, Gründer der lodgyslife AG und Johan Söör, CEO von First Camp.
Foto: Raymond Eckl

Die First Camp Gruppe und die lodgyslife AG, zu ihr gehören die Marken Azur Camping und Camping Lodge, bündeln in Zukunft ihr operatives Campinggeschäft und wollen damit eine starke Basis für nachhaltiges, langfristiges Wachstum im DACH-Markt schaffen. Im Rahmen der noch sehr jungen Kooperation wurden bereits der Campingplatz mit Hotel am Birkensee bei Hannover und das Harz Camp in Goslar als erste Standorte in Norddeutschland für die Azur Freizeit GmbH übernommen, welche nun über sieben Standorte in Deutschland verfügt. Die First Camp Gruppe ist bereits die größte und erfolgreichste Betreiberin von Campingplätzen und Resorts in den nordischen Ländern und betreibt 77 Standorte in der Region und hatte im Juli 2025 mit Via Claudia einen ersten Campingplatz in Deutschland übernommen. Die beiden Gründer und Hauptaktionäre der lodgyslife AG, Jan Vyskocil und René Müller, freuen sich über die Transaktionen. Im Gespräch gaben Jan Vyskocil und Johann Söör einen Blick in die Zukunft.

CI: Herr Söör, First Camp hat in Skandinavien eine starke Position aufgebaut. Warum ist der Schritt in den DACH-Raum für Sie strategisch so wichtig?

Johan Söör: Zunächst einmal sehe ich viele Gemeinsamkeiten zwischen dem skandinavischen und dem DACH-Markt. Die Art und Weise, wie Menschen campen und wie Campingplätze strukturiert sind, ist sehr ähnlich. Mit Jan und René verbindet uns, dass wir die gleichen Werte teilen und identische Ansichten haben, wie man einen erfolgreichen Campingplatz führt. So schätzen wir beide das lokale Profil und glauben an die lokale Identität eines Campingplatzes. Allerdings sehen wir auch die harten Fakten – der deutsche Markt wächst. Wir haben viele deutsche Gäste, die nach Skandinavien kommen, und auch viele skandinavische Camper, die auf dem Weg ins Mittelmeergebiet Halt in Deutschland machen. Tatsächlich haben wir auf unseren Campingplätzen in Skandinavien ein Wachstum von 15 Prozent an deutschen Gästen pro Jahr. Der deutsche Markt ist sehr groß und immer noch sehr fragmentiert. Ich denke, wir können Mehrwert schaffen, indem wir eine einzigartige Gruppe mit starken finanziellen Ressourcen sind, die dieses schöne Gleichgewicht findet, hinter den Kulissen koordiniert zu sein, aber dennoch die Individualität jedes einzelnen Campingplatzes bewahren.

CI: Herr Vyskocil, was verbindet Ihre Wachstumsstrategie mit der von First Camp und wie profitiert lodgyslife konkret von dieser Zusammenarbeit?

Jan Vyskocil: Unsere Wachstumsstrategien passen perfekt übereinander. Denn wir haben die gleichen Werte. Rene und ich haben vor sechs Jahren mit Camping Jungfrau auf dem drei Säulen Prinzip begonnen. Diese drei Säulen, Qualität des Produkts, Qualität der Dienstleistung und Nachhaltigkeit, unterlegt mit Digitalisierung, sind die Werte, welche wir mit First Camp teilen. Wir teilen weiter den Respekt vor dem Erarbeiteten und das Bewusstsein, dass die Plätze ihre Charakteristik bewahren sollen. Unsere Botschaft an die Betreiber von Campingplätzen ist: Wir entwickeln euren Campingplatz weiter und führen diesen nachhaltig in die Zukunft, in einem respektvollen Umgang mit dem, was an den Standorten über Jahre hinweg entstanden ist. Dazu gehört auch, dass wir das bestehende Personal vor Ort übernehmen. Da der Campingmarkt, speziell in Deutschland, sehr kompetitiv ist, ist es wichtig, eine gewisse Größe zu haben, um diese Ambitionen umsetzen zu können. Die Synergien sind enorm – nicht nur bei Systemen, Daten und Best Practices, sondern auch durch den Zugang zu einem europaweiten Gästenetzwerk. Mit unseren 91 Standorten bieten wir unseren Gästen länderübergreifend die Möglichkeit, vom Nordkap bis zu den Alpen aus sehr unterschiedlichen Campingerlebnissen auszuwählen. Wir haben Zugang zu eine der umfassendsten Camping-Datenbanken Europas, das ist die ideale Basis, um im wettbewerbsintensiven Umfeld weiterhin zu wachsen.

CI: Welche Bedeutung haben die Größe und Finanzkraft von First Camp für die langfristige Entwicklung der Gruppe?

Vyskocil: Als strategischer Partner profitieren wir von der Finanzkraft aus Skandinavien. Das ermöglicht uns jederzeit in Deutschland und der Schweiz, Objekte zu erwerben oder zu pachten. Mit der Kraft von First Camp und der guten Positionierung der Marken Azur Camping und Camping Lodge ist es in diesem wettbewerbsintensiven Markt möglich, schnell zu sein, authentisch zu bleiben und den Respekt vor dem, was erarbeitet wurde, zu bewahren und es in diesem Sinne fortzuführen.

Söör: Wir sind sehr glücklich, dass wir über diese guten finanziellen Mittel verfügen, sodass wir in acht Jahren mehr als 70 Campingplätze in sechs Ländern übernehmen konnten. Wir müssen zu einer interessanten Geschäftsmöglichkeit nie nein sagen, und das ist eine sehr glückliche Position, in der wir uns befinden.

CI: Wie ordnen sich die bestehenden Marken – AZUR, Camping Lodge oder auch die First Camp Neuakquise Via Claudia – in die gemeinsame Strategie mit First Camp ein?

Söör: Wir haben mit der Multi-Brand-Strategie, wie wir sie nennen, bereits sieben Marken in der First Camp Gruppe. Wir behalten das lokale Profil bei und bewahren das, was auf dem lokalen Markt am besten funktioniert. Die Marken Azur Camping und Camping Lodge sind in ihren Märkten etabliert und werden von den Gästen geschätzt. Deshalb ist es für uns wichtig, diese Markenstruktur beizubehalten. Was uns im Vergleich zu anderen europäischen Campinggruppen einzigartig macht, ist der pragmatische Ansatz, wie wir mit den lokalen Campingplätzen und lokalen Marken arbeiten. Wir verwenden eben keine vorgefertigten Konzepte und stülpen diese auf eine Vielzahl von Plätzen über.

CI: Nachhaltigkeit ist für beide Unternehmen ein zentrales Thema. Wie sieht diese Nachhaltigkeit aus?

Vyskocil: Wir sehen Nachhaltigkeit ganzheitlich – ökologisch, sozial und wirtschaftlich. In der Praxis heißt das: energieeffiziente Infrastruktur, sinnvolle Sanierungen, lokale Wertschöpfung und ein respektvoller Umgang mit bestehenden Ökosystemen. Drei unserer Schweizer Plätze sind mit ibex fairstay Gold zertifiziert, was gleichzeitig die höchste Stufe von Swisstainable Leading bedeutet. Wichtig ist: Nachhaltigkeit muss in den Alltag übersetzbar sein und von allen, die täglich auf den Plätzen arbeiten, aktiv gelebt werden – sonst bleibt es ein Schlagwort.

CI: Digitalisierung ist ebenfalls ein gemeinsamer Schwerpunkt. Welche Rolle spielt sie im Alltag der Plätze?

Söör: Zunächst einmal vereinfacht die Digitalisierung die Arbeit für das Team auf dem Campingplatz, sodass sie sich mehr auf die wichtigen Dinge und vor allem auf das Gästeerlebnis konzentrieren können. Unsere digitale Infrastruktur bündelt Buchungen, Kommunikation, Reporting und Serviceprozesse an einem Ort, und wir nutzen auch KI. Wenn man die Websites, die wir derzeit in unserer Gruppe haben, kombiniert, sind wir die größte Buchungsplattform in Nordeuropa. In Zukunft wird das noch wichtiger werden, denn die Gäste wollen online buchen. Gerade für individuelle Campingplätze, die keinen Zugang zu solch einer großen Plattform haben, wird das zunehmend zu einer Herausforderung.

CI: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihren Mitarbeitenden viel Erfolg auf Ihrem Weg.